Wiesbaden Ironman 70.3

Es war eigentlich klar, dass es ein katastrophales Rennen wird, aber dass es so schlimm wird, hätte ich nicht gedacht.  Es fing alles ganz normal an, bis zum Schwimmstart. Christian und ich standen auf der Rampe, wir waren eh die letzten die ins Wasser steigen wollten. Der Rest des Teilnehmerfeldes was schon im Wasser. Erst da fiel mir auf, dass ich meinen Zeitmesschip in meiner Hosentasche gelassen hatte. Die Hose war schon ordnungsgemäß verpack und im LKW abgegeben worden. Also einen Sprint quer durchs Gelände zum Check Point gemacht, neuen Chip geholt und ab ins Wasser. Dafür hatte ich keine 8min Zeit. Mit voller Montur zu laufen, also geschlossenem Neo, hat mich dann so zum Schwitzen und aus der Puste gebracht, dass ich fast geplatzt bin. Wieder auf der Rampe angekommen, 1min vor dem Start und vielen verwundernden Blicken, wie man sich so spät an den Start traut kann sowie zwei Fotografen, die ihre besten Fotos des Tages schossen, als ich voller Hast in die Brühe sprang. Nebenbei erwähnt, das Wasser ist so trüb, dass man nur 20cm nach vorn blicken kann. Bis ich bei den restlichen Startern war, fiel schon der Startschuss. Durch das Laufen war ich so aus der Puste, mein Herz raste, dass ich bis zum Schluss des Schwimmens keinen Rhythmus gefunden hatte. Das kann man an der Schwimmzeit von 40:10min gut erkennen. Als letzter ins Wasser, aber zum Glück nicht als letzter raus...

Der Wechsel zum Rad ging eigentlich reibungslos. Ich hatte mir ja auch vorgenommen dieses Mal die Socken ganz weg zu lassen. Paar Sekunden konnte ich also sparen, ob es wirklich was gebracht hat? War auf jeden Fall eine neue Erfahrung, die wiederholt wird.  Beim Radeln hatte ich anfangs starke Probleme, mein Tempo zu finden. Durch das Schwimmen völlig ausgelaugt, gelang es mir nicht, ausreichend Luft zu holen. Die Lunge war wie zugeschnürt. Nach ca. 20km und der ersten Steigung habe ich mich mit meinen Beinen geeinigt, ein Watt Zahl von 200-230 zu treten. Die Radstrecke mit den vier Hügeln und den schnellen Abfahrten ist sehr schön zu fahren, tolle Landschaften von denen man leider nicht wirklich viel mitbekommt. Dafür sind hier viel zu viele Höhenmeter zu bewältigen, um sich umschauen zu können.  Irgendwann lief es so gut, dass ich auch ein paar andere Triathleten überholt habe und immer schneller wurde. Da ich dieses Mal das gesamte Rennen auch ohne Uhr bestritten hatte, wusste ich nicht wirklich wie schnell ich war. War dann froh vom Fahrrad runter zu steigen, viel länger wäre es nicht mehr gegangen. Nach 2:59std hatte ich Wiesbaden erreicht. Im Nachhinein nur 6min langsamer als im Vorjahr.

Wechsel Rad - Laufen ging dieses Mal richtig gut. Knapp eine Minute nachdem ich vom Rad abgestiegen war, lief ich schon die ersten Meter der 21km langen Strecke durch den Kurpark. Vier Runden waren zu schaffen. Eigentlich wollte ich wegen meiner Verletzung nach dem Rad aufhören, es tat aber nichts mehr weh, somit versuchte ich mein Glück. Die ersten 2km liefen etwas wackelig, aber gleichmäßig. Dann fand ich meinen Glücksstein. Es war ein großer, kalter Stein mitten im Schatten, der sehr einladend aussah. Diese Gelegenheit habe ich natürlich direkt ausgenutzt, da sich auch langsam Krämpfe in den Oberschenkel angekündigt haben. Dort verbrachte ich die kommenden drei, vier oder auch fünf Minuten. Zeit spielte keine Rolle mehr. Ich feuerte paar Läufer an. Dann überkam es mich wieder. Ich stand auf und lief eine Runde. Super, da war mein Stein wieder. Also setzen und entspannen. War wohl recht schnell gelaufen, da ein paar der Läufer, die ich vorher noch angefeuert habe, gerade um die Ecke kamen und sich fragten, ob ich da immer noch sitze oder ob ich wirklich gerade an denen vorbeigelaufen sei. Das zweite war der Fall. Wenn ich schon mal laufe, dann ein scheinbar sehr flottes Tempo. Wie gesagt, ich hatte keine Uhr dabei. Das Spiel wiederholte ich die nächsten zwei Runden. In der letzten Runde hatte mich aber Vito, ein Bekannter aus dem Trainingslager, nicht auf meinem Glückstein sitzen lassen. Ich hatte es mir gerade auf dem Stein gemütlich gemacht, dann riss Vito mich mit und ich musste auf meine Pause verzichten. 3 bis 4km vor dem Ziel lief eine Frau recht flott an mir vorbei, reichlich nett anzuschauen. Die Motivation war wieder da. Aber ob ich ihr Tempo überhaupt bis ins Ziel halten konnte, das war noch unklar. Ich tat es und hing mich knapp an ihre Fersen. Auf einmal war die Lust und auch das gute Gefühl wieder da, sich spritzig und elegant zu bewegen. Das Tempo konnte ich bis zur Ziellinie halten, sie merkte aber gar nicht, dass ich hinter ihr her gelaufen bin. Später im Ziel traf ich sie zufällig wieder und bedankte mich für ihre unwissende Mithilfe. Leider war meine Endzeit dadurch nicht besser geworden. Nach 2:17std war das Laufen zu Ende. Muss aber sagen, dass meine Entzündung sich nicht gemeldet hat und ich somit die Bestätigung hatte, die vier Wochen Ruhe waren nicht ganz umsonst. Auch wenn ich mich mit dem Wettkampf nicht identifizieren kann, aber in Wiesbaden habe ich auf jeden Fall noch eine Rechnung offen. Die werde ich kommendes Jahr begleichen.

Endresultat: 6:02std, Platz 166 in der M30 Klasse und Platz 834 in der Gesamtwertung.

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