Barcelona Challenge

Barcelona ist immer schon eine Stadt gewesen, die ich mal so richtig erleben wollte. Oder war es eher das Nachtleben der spanischen Großstadt?  Jetzt konnte ich es mit einem schönen Wettkampf verbinden, der dort zum ersten Mal ausgetragen wurde.

Challenge Barcelona Maresme 04.10.2009  4:30 Uhr, Aufstehen, etwas Rumpfstabi um wach zu werden, Frühstück mit anderen Verrückten, die den Tag heute opfern um eine Langdistanz im Triathlon zu absolvieren. Die Hängersmahlzeit hat super geschmeckt.

5:10 Uhr wieder im Bett. Noch mal hingelegt, 30min entspannt, versucht das Frühstück zu verdauen, bevor es zum Start geht. 

5:40 Uhr letzten Klamotten gepackt, ab zum Start. Der Weg dauert nur knappe 10min vom Hotel aus, wenn man ganz langsam geht. 

6:00 Uhr Bikepark erreicht. Sind schon recht viele Leute hier, bedenkt man, dass der Start der ersten Gruppe erst in 75min losgeht. Naja, Vorbereitung ist alles. Tasche am Rad hingestellt und erstmal in einer etwas ruhigeren Ecke hingelegt. Musste mich noch etwas von dem Weg vom Hotel bis hierhin erholen. Immerhin 10min gehen. Jede Anstrengung vor dem Renne vermeiden.

6:30 Uhr Bike aufpumpen, Radflaschen dran, Neo an und langsam Richtung Strand bewegen.

7:00 Uhr da ich meine Uhr im Rucksack gelassen hatte, musste ich mich auf die Durchsagen der Moderatoren verlassen. Die waren aber mehr als chaotisch. Konnten sich nicht so recht entscheiden, welche Sprache sie sprechen sollten. Zum Glück konnte man aus dem Spanischen, Englischen, Italienischen, Französischen, Deutschen irgendetwas zusammen reimen. Um 7 Uhr gingen die Profis an den Start. Das Schöne hier ist, dass man sich den Start, wenn man in einer späteren Gruppe startet, anschauen kann. War also super gewesen. Die Jungs sind richtig schnell losgeschwommen, aber auch nicht wirklich in der optimalen Linie. Es war noch recht dunkel, vielleicht haben sie deswegen die Bojen nicht recht gut sehen können. Danach ging es in 5 Minuten Abständen weiter. Ich war als fünfter dran.

7:20Uhr es geht los, die Gruppen sind ca. 200 Mann groß. Es gab keine Rangeleien oder sonstige Schlägereien beim Start. Die erste Boje kommt nach 200m. Von da aus geht es nach rechts weg, entlang des Strandes. Nach 1450m kommt ein U-Turn um zwei Bojen. Da bin ich leider direkt auf die zweite Boje zugeschwommen. Zum Glück früh genug bemerkt, schnell abgedreht und einmal um beide Bojen rumgeschwommen. Vielleicht ein Umweg von 50m gemacht. Danach wieder gerade aus, 1750m, Linksturn und ab zum Schwimmausstieg. Auf dem Rückweg wurden die Wellen aber schon beträchtlich höher. Ab und zu war es schon recht schwierig die Bojen zu sehen oder nach Luft zu schnappen. Ist aber recht gut gelaufen. Da ich keine Uhr hatte, hatte ich keine Ahnung wie schnell ich war. Es kam mir aber schon recht schnell vor. In nachhinein, 1:11:51 Std. Ist doch für meine Verhältnisse als Nichtschwimmer prima.

8:35 Uhr ab aufs Rad und los. Wie erwartet waren alle Räder die neben meinem standen schon weg. Daher auch keine Probleme gehabt das Rad auf Anhieb zu finden. Die ersten 3-km gingen durch die Stadt. Leider sind die Straßen hier nicht so der Knaller. Verkehrsinseln, Schlaglöcher. War ja nur ein kleines Stück von den insgesamt 180-km.

Es sind drei Runden zu fahren, 2x69-km und die letzte Runde den Rest. Die ersten 10-km hatte ich leichte Schwierigkeiten mein Tempo zu finden. Es geht erstmal sehr wellig auf und ab. Irgendwann wird es dann flacher, auch wenn der Wind schon sehr anstrengend war. Nach knappen 10-km fand ich dann den richtigen Rhythmus und kam gut voran. Fing auch langsam an andere Teilnehmer zu überholen, so wie ich es von anderen Rennen her gewohnt bin. Die Lust war voll da und es ging richtig gut voran. Bei Kilometer 30 kam ich in eine Gruppe rein, wo jeder dasselbe Tempo gefahren ist. Es machte keinen Sinn einen zu überholen. Man wusste im voraus, dass der jenige beim nächsten leichten Anstieg wieder vor einen her gurken würde. Es gilt hier auch das Windschatten fahren verboten ist. Man musste also schon etwas aufpassen, wie nah die anderen an einem dran waren. Die einzige Lösung war eine Pinkelpause. Das war auch bitternötig gewesen. Danach hatte ich wieder freie Fahrt. Erste Runde lief super. Bei der zweiten Runde dasselbe Spiel. Vier Jungs hatten mich eingeholt. Bin dieses Mal einfach  drangeblieben, mit einem gewissen Abstand, aber es war ein gutes Tempo. Zwei, drei Mal fuhren die Kampfrichter an uns vorbei, zu mir sagten sie nichts, war ja auch ganz hinten, bei den anderen waren sie etwas mehr beschäftigt. Straffen gab es aber keine. Nach ca. 10-km musste der erste der Jungs abreißen lassen. Bei Kilometer 110 war es dann bei mir soweit. Im Training, war meine längste Strecke 90km gewesen. Ich wusste schon vorher, dass es irgendwann soweit sein wird. Aber dass es so schlimm sein wird, dass hätte ich nicht gedacht. Die Wattzahlen fielen von 200-240 auf 140-160. Mehr ging einfach nicht. Hatte mich richtig quälen müssen überhaupt noch die Pedale zu bewegen. Ich fing an mir irgendetwas vorzustellen, an etwas anderes zu denken und von den Schmerzen in den Beinen abzulenken. Meine Gruppe ist natürlich da schon weg gewesen. Ab Kilometer 130 ging es dann wieder etwas besser. Hatte nur noch eine Runde zu drehen und die war wesentlich kürzer als die davor. Obwohl es eine Ewigkeit gedauert hatte in der letzten Runde bis die Wende kam und man Richtung Ziel fahren konnte.

Bei der zweiten Runde sah ich ein 5 Euro schein auf dem Boden liegen. Wollte zwar abbremsen und den mitnehmen, entschied mich aber weiter zu fahren. Warum ich das hätte machen sollen, das kommt später. Bei der dritten Runde auf der Hinfahrt lag er noch da. Dachte, wenn ich gleich zurückfahre, nehme ich den mit. Leider war dann doch einer schneller. Zwei Möglichkeiten nicht ausgenutzt. Bei der dritten war es dann zu spät.

War auf jeden Fall richtig froh im Radziel angekommen zu sein. War dieses Mal nicht sehr schwer mein Platz zu finden, da noch nicht viele Räder im Park standen. Hatte wohl doch ein Paar Leute überholen können.

Es ist schön wenn man eine Radstrecke wie hier fährt. Man kann immer die anderen Fahrer sehen die einem entgegenkommen. Vor allem die Profis, die noch mal etwas schneller unterwegs sind als wir Normalos.

Nach 5:12:16 Std. bin ich im Ziel angekommen. Jetzt war nur noch Laufen angesagt.

13:50 Uhr ab auf die Laufstrecke. Wechsel ging recht schnell, waren vielleicht 4 oder 5 Athleten im Zelt. Der Anfang der Laufstrecke ging quer über ein Schotterweg und irgendwelche Fischerhäuser herum. Kein Mensch zu sehen, sehr holperig und verstaubt. Dachte mir nur, wenn das die Laufstrecke ist, dann kann ich direkt aufgeben. Es wurde aber besser. Durch eine Unterführung, also runter und wieder rauf ging es auf die Hauptstrasse raus. Das war die eigentliche Laufstrecke. Es war zu dem Zeitpunkt super heiß. Gefühlte 40-45°C. Nach einer Gefühlten Ewigkeit kam die erste Verpflegungsstation und sehe da, keine Cola in Sicht. Pepsi ist einfach von dem Wettkampf abgesprungen, somit haben die Spanier sich gedacht, bieten wir den Läufern nur Getorade und Wasser an. Es gab Beschwerden von jedem Triathleten, jeder fragt nach Cola. Nach drei Kilometern musste ich ein Stück gehen, der Kopf hat abgeschaltet. Die Hitze war erdrückend. Ich habe mich so auf einen Schluck kalte Cola gefreut. Da kam die Rettung. Ein Zuschauer, glaube es war ein Österreicher, bot mir ein Schluck Cola an. Das hat mich dann über die nächsten Paar Kilometer getragen. Es war aber nicht genug gewesen. Jetzt kommen nämlich die 5 Euro in Spiel. Hätte ich die gehabt, hätte ich zum Supermarkt gehen können und mir selber was kaufen können. Shit happens...

Es ging immer Stückweise voran, etwas gehen, etwas laufen. Es sind insgesamt vier Runden zu laufen. In der zweiten Runde, hatten sich die Spanier gnädig gezeigt. Eine ganze Lieferung Cola wurde an einer der Verpflegungsstationen gebracht. Die Beschwerden aller Athleten hatte wohl Wirkung gezeigt. Also alle 5km ein Becher Cola. Sollte reichen.

In der zweiten und dritten Runde habe ich mich in ein Restaurant hingestellt und Salz gefuttert.

Die Leute hatten mich zwar etwas komisch angeschaut beim ersten mal, beim zweiten mal hatten die mir das Salz direkt in die Hände gedrückt. Fanden es alle sehr lustig.  Denke aber dass es bei mir der Kopf ist, der abschaltet und nicht mehr weiter laufen will. Irgendwann bei Kilometer 18 sagte ich mir, jetzt versuchen so weit wie es geht zu laufen und schauen was dabei rauskommt. Beine waren ok, nur der Kopf... Es wurde immer besser. Es ging immer 2,5km gut, bis zu Verpflegungsstation, danach Stück gehen und wieder laufen. Bei den letzten 4 km wollte ich eigentlich gar nicht mehr. Wollte aber ankommen, bevor es dunkel wird. Also noch mal die letzten Kräfte mobilisieren, oder sagen wir mal so, den Kopf abschalten und los. Es hat geklappt. Die letzten zwei Kilometer waren wieder richtig hart, es ging wieder durch die Wüstenlandschaft. Schotterweg, heiß und staubig und keine Ende in Sicht. Dann noch einmal um den Bikepark herum und das Ziel war in greifbarer Nähe. Die letzten Meter auf den roten Teppich habe ich richtig genossen. Langsam durchgegangen. Die Stimmung genossen.  Marathonzeit, 4:20:28 Std. Eigentlich eine Katastrophe, aber was soll man machen.

Gesamtzeit, 10:49:59 Std. Platzierung Gesamt 381, AK30 74  Das war mein Challenge Barcelona. Sehr interessantes Rennen, eine schöne Schwimm und Radstrecke. Könnte alles noch schneller werden, wenn man richtig vorbereitet ist. Laufen im Grunde genommen auch sehr angenehm. Es waren Paar Zuschauer da gewesen, viele rein aus Zufall, Touristen die gerade beim Essen oder in Cafés gesessen hatten. Für die war es bestimmt sehr interessant, sich so viele Vollidioten anzuschauen, die bei solchen Temperaturen, ein Marathon laufen.  Verpflegung sollte noch verbessert werden, während und auch nach dem Rennen. Aber dafür, dass es in Barcelona zum ersten mal stattgefunden hat, war es in Ordnung.

Radabholung, im vergleich zu anderen Rennen in Deutschland, sehe Frankfurt, Wiesbaden, dauerte knappe 2min und war sehr unproblematisch.  Die Nacht nach dem Rennen war die Hölle. Alles schmerzt, ist aber eher äußerlich. Berührungsschmerz. Die Muskulatur ist ok, kann normal laufen im Gegensatz zu den anderen Athleten die ich hier so gesehen hatte. Kann ja nur noch besser werden. Ein Monat Erholung, danach kann es mit der Vorbereitung auf die nächsten Rennen wieder losgehen.

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